#23 Ein zahnloser Tiger?
Shownotes
Journalisten berichten über Machtmissbrauch, über Skandale, über Fehlverhalten. Aber was passiert, wenn Journalisten Fehler machen? Dann kommt ein Gremium ins Spiel, von dem viele schon gehört haben – aber kaum jemand kennt: der Deutscher Presserat. Er tritt dafür ein, ethische Standards einzuhalten und verteidigt die Pressefreiheit gegen Eingriffe von außen. Aber ist er wirklich eine scharfe Instanz? Oder eher ein moralischer Kompass ohne echte Sanktionsmacht? Prof. Dr. Tanjev Schultz und Dr. Markus Wolsiffer schauen in dieser Folge genauer auf den Presserat, sie sprechen über Kompetenzen und Grenzen der freiwilligen Selbstkontrolle.
Prof. Dr. Tanjev Schultz, Jahrgang 1974, ist ehemaliger Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Er forscht und lehrt Journalismus an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Mehr dazu
Dr. Markus Wolsiffer, Jahrgang 1991, ist Journalist, Reporter und Moderator. Er steht unter anderem für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vor der Kamera. Mehr dazu
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00:00:14: Wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure?
00:00:17: Journalisten berichten über Machtmissbrauch, über Skandale, über Fehlverhalten.
00:00:21: Aber was passiert wenn Journalisten Fehler machen?
00:00:24: Wenn Persönlichkeitsrechte verletzt werden, wenn sich Meldungen als falsch herausstellen oder sich redaktioneller Teil mit Werbung vermischt Dann kommt ein Gremium ins Spiel, von dem viele schon gehört haben.
00:00:36: Aber kaum jemand wirklich kennt der Deutsche Presserat!
00:00:40: Er ist die freiwillige Selbstkontrolle der Presse – er spricht Rügen aus, erwacht über den Pressekodex.
00:00:45: aber ist er eine scharfe Instanz oder eher ein moralischer Kompass ohne echte Sanktionsmacht?
00:00:51: Wie unabhängig ist er und wo liegen seine Grenzen gerade im digitalen Zeitalter?
00:00:56: Darüber sprechen wir heute bei den Medienverstehern.
00:00:59: Wir freuen uns dass ihr dabei seid.
00:01:01: Treue Zuhörer wissen neben mir sitzt Professor Dr.
00:01:03: Tanjif Schulz früher bei der Süddeutschen heute Forscher an der Uni Mainz, hallo Tanjiff!
00:01:08: Hallo Markus, neben ihr sitzt Dr.
00:01:09: Markus Wolsifer Journalist TV Reporter Moderator und Medienversteher
00:01:14: Und einer der drei Begriffe vorbereitet hat?
00:01:17: Ja Und du darfst heute ziehen?
00:01:18: Habt schon ein bisschen Angst Wieso?
00:01:21: Ich soll ja einen dieser Beriffe dann einbauen, ich hab jetzt eingezogen.
00:01:24: Ja aber wieso hast
00:01:24: du Angst?
00:01:25: Ja weil ich habe ja noch... Aus Erfahrung
00:01:27: Angst!
00:01:27: Schwierige dir zugemutet und du wirst dich jetzt revanchieren.
00:01:32: Transparenztheater wurde es nicht?
00:01:34: Ja ich sag' ja.
00:01:35: das werden so wieder so komische Doppelkombinationsaliterationswörter.
00:01:39: Branchenbeichte?
00:01:41: Also Branchen-Beicht.
00:01:43: Entschuldigung Mama.
00:01:43: Was kommt jetzt?
00:01:44: Ich habe gezogen Empörungsökonomie.
00:01:49: Ein schönes Wort
00:01:50: Ja,
00:01:51: gut.
00:01:53: Mal sehen!
00:01:53: Es geht heute natürlich auch um formale Fragen aber vor allem um Ethik im Journalismus und Prinzipien guten journalistischen Handelns.
00:02:01: an das formuliert es geht um das angemessene und das zulässige.
00:02:05: Tanjef warum ist das so wichtig?
00:02:10: zu Recht, wie ich finde einen sehr weiten Spielraum haben in der Medienberichterstattung als Presse große Medienfreiheit genießen zum Glück und das auch nicht einschränken lassen wollen.
00:02:20: Aber dann braucht es natürlich auch Selbstverpflichtungen selbst Bindung ethisches Handeln Und da kann es der Branche nur gut tun wenn es auch ein Gremium gibt dass das ein bisschen organisiert als Prozess und auch zwar keine rechtlich verbindlichen Gerichtsurteile Aber sehr wohl auch Entscheidungen fällt, die in der Branche ein gewisses Gewicht haben und genau das tut der deutsche Presserat.
00:02:45: Also die symbolische Kraft der Urteile in Anführungszeichen spielt eine wichtige Rolle?
00:02:50: Genau!
00:02:51: geht also um die Dinge, die man jetzt nicht richtig mit einer Klage erpräumen kann.
00:02:57: Manchmal passiert das parallel auch noch – das werden wir vielleicht noch bereden – aber es geht um so diesen Dialog innerhalb der Branche was ist okay?
00:03:05: Was ist nicht ok?
00:03:06: Was sollte man tun und was sollte man lassen?
00:03:08: Und dafür braucht es Grundregeln, die es auch gibt in Redaktion und auch im sogenannten Pressekodex.
00:03:15: dazu kommen wir noch….
00:03:16: Und dann muss man das aber auch ja wachhalten, lebendig halten.
00:03:20: Man muss da vielleicht auch Entscheidungen fällen.
00:03:22: was fällt jetzt unter... irgendeine Kategorie, wo was schief gelaufen ist und was geht gerade noch so.
00:03:28: Und dafür braucht es natürlich auch einen Prozess, den man organisiert.
00:03:32: Interessant sich ja auch wie sich Wertmaßstäbe verändern.
00:03:35: wir haben in der Folge über Herkunftsnennung schon darüber gesprochen.
00:03:38: das natürlich auch die Codices diese Leitsätze, über die wir heute auch noch mehr hören werden dass sich da auch etwas verändern kann in der Branche.
00:03:46: Ja absolut!
00:03:46: Das verändert sich sowie sich die Gesellschaft verändert.
00:03:49: wenn hat sich auf die Medienwelt die Vorstellung davon, was jetzt guter Journalismus ist und was auch vielleicht in dem einen Land noch als völlig normal gilt.
00:04:00: Ist nicht unbedingt eine andere Journalismuskultur normal weil es vielleicht verschiedene Ideen von etwa Privatsphäre und Datenschutz gibt.
00:04:08: Und so gesehen muss man das alles ein bisschen auch in den jeweiligen Kontext sehen, in denen das eingelassen ist.
00:04:15: aber das macht es ja weniger wichtig und wertvoll.
00:04:18: Ja, die Technik verändert sich aber im Grunde muss jede Generation neu ausverhandeln was ist guter Journalismus?
00:04:24: Letztlich ist es genau das und da ist sicherlich der Presserat nur ein Instrument eine Institution die da eine Rolle spielt aber eine über die es sich lohnt zu reden Und
00:04:35: das machen wir heute Tanjev.
00:04:37: Wer steckt hinter dem Presserad?
00:04:39: wer finanziert ihn?
00:04:40: Der Deutsche Presserat ist ein Gremium, in dem organisiert sind die Verlegerverbände in Deutschland.
00:04:47: Das sind zwei Große, die die Zeitungen und die Zeitschriften publizieren aber auch heute natürlich im Digitalen also nicht nur die gedruckte Ware.
00:04:58: Und dann gibt es zwei große Journalistenorganisationen, also man spricht auch von Gewerkschaften.
00:05:04: Die DWU und der DHV-Deutsche Journalistinnen und Journalistenunion oder Deutsche Journalistenverband.
00:05:10: Diese vier Organisationen entsenden dann Repräsentantenmitglieder in diesen Deutschen Pressrat – das ist ein eingetragener Verein.
00:05:20: Der wird finanziert durch diese Medien die da als Selbstverpflichtung sich dem Presserat unterwerfen, wenn man so möchte.
00:05:30: Als Kontrollgremium und zugleich gibt es wohl auch noch immer ein Bundeszuschuss.
00:05:37: Das Ganze soll aber staatlich nicht gelenkt werden Und da sitzen auch keine Staatsvertreter, keine Regierungsvertretern drin.
00:05:44: Denn ich weiß nicht ob dir diese Geschichte bekannt ist Die Ursprünge waren schon in Reaktion auf mögliche Übergriffe des Staates.
00:05:53: Konrad Adenauer beispielsweise war da sehr umtriebig und hat versucht, eine Deutschland-Fernsehen GmbH zu gründen.
00:05:59: Genau das war dann so der Stein des Anstoßes, der dazu führte dass wir heute jetzt das ZDF haben als zweites deutsches Fernsehen.
00:06:07: die Bundesländer wollten sich nicht auch die Kulturhoheit nehmen lassen und gleichzeitig wollte man eben keine Regierungsfernsehen haben.
00:06:16: und sowas Ähnliches ist auch die Gründungsgeschichte Beim Deutschen Presserat in den fünftiger Jahren unter der auch Regierung von Kanzler Konrad Adenauer gab es so Bestrebungen, ein Bundespressegesetz zu erlassen?
00:06:30: oder dem damaligen Innenminister, Robert Lehr und die damals noch jungen Medien der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg waren alarmiert.
00:06:39: Die Journalistinnen und Journalisten weil sie eben fürchtet okay das könnte jetzt schon wieder in so eine Gängelung führen und unsere Pressefreiheit die wir gerade neu versuchen auszufüllen uns verhageln.
00:06:48: und es wurde aber von der Bundesregierung auch als Druckmittel genutzt um zu sagen naja entweder ihr macht selber so eine Art Selbstkontrollorganen auf oder aber wir regeln das, dass wir hier nicht nur Schunder haben und dass wir auch bestimmte ethische Anforderungen durchgesetzt sind in der Presse.
00:07:04: Und dann haben die Journalisten- und Verlegerverbände sich darauf geeinigt... ...und dann hat man neunzeit sechsundfünfzig diesen deutschen Pressrat ins Leben gerufen den es seitdem gibt Und der hat sich dann im Laufe der Jahre natürlich auch immer mal wieder verändert, aber diese Grundstruktur ist noch dieselbe.
00:07:18: Es gibt also da keine Regierungsvertreter es gibt auch keine Wissenschaftler darin, also keine Professoren, keine irgendwie auch einzelnen Bürgerinnen und Bürger.
00:07:28: das ist deshalb interessant weil es dieses Konstrukt Presse Rat Press Council wie man im Englischen sagt in vielen Ländern gibt.
00:07:35: mittlerweile als dass in den Fünfzigern gegründet worden ist war glaube ich das Vorbild der britische press council Und mittlerweile gibt es das in, glaube ich über achtzig Ländern weltweit.
00:07:46: Konstruktion, die also sehr verbreitet ist aber überall auch ein bisschen unterschiedlich.
00:07:50: Ich glaube der allererste wurde aus den Sechzehnten oder wann das war in Schweden gegründet und mittlerweile gibt es das in diversen Ländern.
00:07:59: ich habe so eine Aufstellung hier da von Botswana bis Tansania von Azerbaijan bis Taiwan gibt es also Presseräte aber die Konstruzonen unterscheidet sich.
00:08:10: manchmal sitzen zum Beispiel auch normale bürgerinnen in diesen Räten und in Deutschland ist das nicht der Fall.
00:08:18: Die Konstruktion mag sich unterscheiden, aber grundsätzlich ist es doch auch ein starkes Statement wenn sich die Presse in der Form organisiert und auch sagt wir sind im Stande auch auf uns selbst aufzupassen Wir gehen im Zweifel auch hart ins Gericht miteinander.
00:08:33: Ja dass ist zunächst mal die Idee.
00:08:34: ob das dann immer so klappt Frage, die dann Kritiker beschäftigt.
00:08:38: Aber die Vorstellung ist, dass wir machen hier so eine Art Selbstreinigung und wir gucken auf uns selber und lassen auch den Spiegelvorhalten von unseren Kolleginnen und Kollegen.
00:08:49: Und wir treten gegenüber der Politik selbstbewusst auf?
00:08:52: Genau!
00:08:52: Die eine Idee ist das man Verfehlungen ethische Sündenfälle wenn man so will innerhalb der Branche auch klar benennt und anprangert.
00:09:02: aber Aufgabe des Pressarats ist auch gegenüber der Politik stark aufzutreten, wenn es um etwa Pressefreiheit geht.
00:09:11: Wenn es um mögliche Einschränkungen geht.
00:09:13: das hat der Pressrat in seiner Geschichte immer mal wieder gemacht und deswegen ist dieses Gremium schon mehr wert als jetzt.
00:09:21: vielleicht viele denken die dann dazu kommen wir sicherlich noch die sagen okay so richtige Konsequenzen haben die Sprüche des Präseratzes nicht.
00:09:29: Ja da gibt's ein paar Kritikpunkte auf die wir doch angehen.
00:09:32: aber wie du auch sagst dass selbstbewusst auftritt, findet immer wieder spannend.
00:09:37: Auch als junger Student waren wir bei der Bundespressekonferenz und da haben wir gelernt das hier nicht die Bundesregierung einlädt sondern die Medienvertreter.
00:09:43: Genau!
00:09:44: Das wird jetzt nicht vom Bundespresse also noch nicht vom Presserat gemacht, also die Bundespressekonferenz so, sondern dass gibt da wiederum einen eigenen Verein der das macht.
00:09:54: aber...
00:09:54: Es ging mir um die Halte dahinter?
00:09:56: Völlig richtig.
00:09:56: Das ist ein sehr gutes Beispiel um zu zeigen es gibt solche Eigenorganisierten Gremien, Vereine, Organisationen wo eben auch verschiedene Medienvertreter und Medien unterschiedlicher Kohle.
00:10:09: Auch ganz unterschiedliche Ausrichtungen zusammen sich tun weil sie sagen naja wir haben aber ein gemeinsames Grundinteresse das ist die Pressefreiheit zu verteidigen und selbstständig die Dinge zu klären.
00:10:20: Und dass genau geschieht unter anderem beim Deutschen Presserat.
00:10:24: Ja, es geht um die Prinzipien guten journalistischen Handelns.
00:10:27: Da haben wir schon einige auch im Podcast erwähnt Tanjev verschiedene Qualitätsdimensionen in Anlehnung an Vogt.
00:10:33: Vielfalt, Relevanz, Unparteiligkeit, Sachgerechtigkeit, Verständlichkeit das sind so Klassiker, die man auch kennt der Objektivitätsanspruch Die Trennung von Nachricht und Meinung Und aus all diesen sind sogenannte Codices entstanden also Leitlinien letztlich.
00:10:48: ein Regelwerk Liest sich auch ein bisschen wie so ein fast Gesetzestext, ist auch so unterteilt in... Ziffern wie so Gesetze oder Grundgesetz.
00:10:58: Das
00:10:58: ist ja auch kein Zufall, das ist so verletzt.
00:11:00: Genau!
00:11:00: Das will man schon ein bisschen von der Anmutung her so ähnlich haben wie im Recht in Gesetzestexten.
00:11:07: Da gibt es sechzehn genau genommen Ziffernen und teilweise noch mal Unterrichtlinien zu ganz unterschiedlichen Punkten.
00:11:13: Manche sind ziemlich allgemein gehalten.
00:11:15: also das geht gleich los mit Wahrhaftigkeit und Achtung.
00:11:18: der Menschenwirt ist Ziffer eins.
00:11:20: da wird also ganz grundsätzlich gesagt die Achtungen vor der Wahrheit Menschenwürde, die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.
00:11:28: Also so ganz mit ganz großem Besteck wird dann erstmal handiert aber durchaus ja vielleicht zurecht damit man auch das mal verankert hat und dann geht es aber auch in mitunter richtig konkrete Details hinein.
00:11:41: also wie sollen Interviews aussehen bzw was dazu beachten?
00:11:47: Wie steht es um den Opferschutz?
00:11:49: Was ist zu bedenken bei der Berichterstattung über Medizinthemen.
00:11:55: Da gibt es ein paar Dinge, die sind vergleichsweise speziell und konkret?
00:11:59: Du hast erwähnt wie der Präserat entstanden ist wer ihn trägt.
00:12:03: streng genommen müsste man sagen die Fernsehsender in Deutschland haben damit nichts am Hut.
00:12:09: formal gesehen aber sozusagen der Geist dieses Kodices dieses Codex und das was er vermittelt der ist im Grunde Verinnerlicht.
00:12:18: die einzelnen Medienunternehmen haben dann teilweise noch mal eigene.
00:12:22: Regelwerke, Standards, die auch mit unterschriftlich festgehalten sind.
00:12:26: Die Rundfunkanstalten weil du sagst haben dann also öffentlich-rechtlichen natürlich ihre Programmgrundsätze und sogar richtige
00:12:35: Staatsverträge
00:12:36: Stattverträge, die dann auch Gesetzkraft haben die dann auch bestimmte Anforderungen schon stellen und auf die man sich dann auch beruft.
00:12:42: Aber gerade wenn es um bestimmte Details geht, die jetzt eher im Pressekodex stehen würden, auch Rundfunkjournalisten sich genauso daran orientieren können und sollen und wollen.
00:12:51: Und wenn es hart auf hart kommt und um irgendwelche Streitigkeiten geht innerhalb der Branche, ein bisschen sogar auch zu Gerichtsstreitigkeiten wo ja eigentlich der Presse-Kodex gar nicht für da ist weil es eben gerade nicht um Gesetze geht In dem Sinne die gleiche Verbindlichkeit hat wie so ein Gesetz.
00:13:06: Selbst da kann es sein, dass dann mal Richter oder Anwälte oder so sagen naja aber Pressekodex das ist doch ein etablierter Mechanismus etabliertes Regelwerk.
00:13:16: Da steht auch das und das und da haben sie doch vor ihren journalistischen Standards nicht entsprechend gut gehandelt.
00:13:20: Und deswegen ja freien Formal gesehen und das wird nochmal wichtig wenn wir über das Thema Beschwerden reden werden und rügen gleich.
00:13:29: Formal gesehen ist der Presserat mit seinem Pressekodex für Rundfunk gar nicht zuständig, sondern da gibt es andere Beschwerdewege, andere Arten jetzt auch als Bürger zum Beispiel zu sagen ne, das war nicht in Ordnung die Berichterstattung.
00:13:41: dann wendet man sich an die entsprechenden Rundfunkkremien also Rundfundgrat oder Fernsehrat im Falle des ZDF oder wenn es Privatrundfunkt ist an die Medienanstalten.
00:13:53: Und das gibt es seit erst wenigen Jahren noch die Besonderheit, dass es ja auch im Internet alle möglichen Medien gibt.
00:13:59: Die jetzt so als Blogger als Podcast also mal sehen wann wir den Pressecodex uns unterwerfen müssen.
00:14:05: Also die jetzt so neue Angebote sind, die nicht klassischerweise in diesen Verlegerverbänden zum Beispiel organisiert sind und von denen sich manche vielleicht auch zunächst einmal gar nicht so sehr als journalistisch begreifen die dann aber doch letztlich so betrachtet werden, als seien sie Presse ähnlich.
00:14:22: Und die müssen sich dann ab einer gewissen Veröffentlichungsfrequenz und Bedeutung von allgemeinen tagesaktuellen usw.
00:14:29: Themen dann auch entscheiden, ob Sie dann von den Landesmedienanstellten reguliert werden sollen oder ob Sie sich freiwillig dem Presserat anschließen und dem Pressekodex unterwerfen.
00:14:38: Das alles führt dazu dass es ja eine Art Grundstruktur an Regelwerken gibt für All das was wir Journalismus nennen.
00:14:46: Wir haben es schon angerissen.
00:14:48: Wie verbindlich ist der Pressekodex, ergibt uns etwas an die Hand als Journalisten?
00:14:52: Da stehen halt so Dinge drin um das mal plastisch zu machen wie Sorgfalt.
00:14:57: Dass man nicht einfach so Gerüchte raushaut und dass man sehr wohl genau prüfen muss was man alles veröffentlicht und nicht einfach Behauptungen so weiterverbreiten darf.
00:15:07: Das ist vielleicht klingt das ja selbstverständlich aber wir wissen ja dass sehr viele auch Das verletzen.
00:15:12: also das wird auch vom Presserat immer wieder gerügt, dass auch professionelle Medien nicht sorgfältig genug arbeiten.
00:15:19: Und außerhalb des Journalismus haben wir auch geringere Sorgfaltsanforderungen.
00:15:25: im privaten hauen wir alle möglichen Sprüche raus und leider dann auf Social Media mitunter und folgen da nicht diesen Ideen die der Presse Codex verfolgt.
00:15:34: deswegen ist es schon sehr wichtig dazu legen, aber es sind auch diverse andere Sachen drin.
00:15:39: Also dass man beispielsweise eben auch seine Quellen dann schützen muss, dass man keine Schleichwerbung macht das Tätigkeiten transparent gemacht werden die jetzt von Journalisten ausgeübt werden.
00:15:50: was ich Mitgliedschaft in einer Partei und dann über eine Partei berichten, ist also ein No-Go.
00:15:57: Wenn man das nicht zumindest angibt... ...oder
00:16:00: andere berufliche Engagements
00:16:01: außerhalb
00:16:02: der journalistischen Sphäre?
00:16:03: Genau!
00:16:05: Ganz oft geht es bei Beschwerden auch beim Presserat um Themen des Opferschutzes oder Persönlichkeitsrechte.
00:16:11: Also dass Leute einfach gezeigt werden, die einen Unfallopfer sind oder die Angehörigen da an die Öffentlichkeit gezerrt.
00:16:17: Wir haben über so etwas ja schon hier bei den Medien versterren geredet Miese Praktiken, gerade auch das Boulevardjournalismus.
00:16:24: Und
00:16:24: der Bereich True Crime?
00:16:25: Ja, Kriminalität und Unglücke und Katastrophen sind das klassische Feld.
00:16:29: Ganz ganz viele Beschwerdefälle betreffen genau diesen Bereich.
00:16:33: Manches davon betrifft dann auch Presse rechtlich interessante Dinge des Persönlichkeitsschutzes.
00:16:38: aber Das Schöne ist in Anführungszeichen, dass beim Presse Codex es nicht immer nur um das geht.
00:16:44: Ob man wirklich dann auch vor Gericht recht kriegen würde sondern es geht einfach darum was gehört sich?
00:16:49: Was gehört sich nicht?
00:16:50: und deswegen darf auch jeder und jede sich beim Pressrat beschweren.
00:16:55: Man muss gar nicht selbst unbedingt betroffener sein der Berichterstattung.
00:17:01: Ja, in den meisten Fällen anders.
00:17:03: Da muss man schon selbst derjenige sein, der da durch den Kakao gezogen wurde wenn man so will.
00:17:10: Jeder kann sich beschweren und wer prüft dann die Fälle?
00:17:14: Ja das ist jetzt, wir sind ja in Deutschland.
00:17:16: es muss einen gewissen Ablauf geben.
00:17:19: Es gibt dafür richtige Schaubilder.
00:17:20: ich verzichte jetzt mal darauf die zu zeigen zumal sie unsere Hörerinnen und Hörern nicht sehen können.
00:17:24: Das gibt dann so ein richtigen Ablauf.
00:17:26: Es hat aber auch seinen Sinn.
00:17:27: natürlich das muss seine Ordnung irgendwie haben.
00:17:29: wie will man mit diesen Beschwerden umgehen?
00:17:31: Da gibt's dann eine Geschäftsstelle.
00:17:33: da muss die Geschäftsstell prüfen ob der Presserad überhaupt zuständig ist wenn es z.B.
00:17:37: jetzt ein Fernsehbeitrag ist.
00:17:38: Ist das muss das woanders hingehen oder sich ja vorstellen, dass da sich auch alle möglichen Leute mit irgendwelchen absurden Zeug und witzigen Dingen melden.
00:17:49: Das muss dann also vorsortiert werden.
00:17:51: Und wenn es aber scheinbar eine gewisse Substanz hat, dann geht das an sogenannte Beschwerde-Ausschüsse.
00:17:58: Da sitzen dann wieder Vertreterinnen und Vertretern der Verlage und dieser Journalistenorganisation und die beraten über solche Fälle Und ziehen alles möglich heran.
00:18:10: Sie tagen allerdings nicht öffentlich.
00:18:12: dann und man weiß jetzt gar nicht so genau, wie die dann im einzelnen argumentieren und kommen dann zu Ergebnissen holen dafür aber auch erstmal noch Stellungnahmen ein.
00:18:23: also sie müssen dann mal auf bei dem Medium um das das da geht.
00:18:27: Mal nachfragen was habt ihr eigentlich gemacht und warum ist es manches klärt sich denn ja schon?
00:18:30: also dann wird vielleicht irgendwo, auch deutlich warum war die Berichterstattung so?
00:18:34: und so gab's zum Beispiel einen Einverständnis von irgendjemandem der damit Bild gezeigt worden ist und die Beschwerde löst sich nichts auf oder so.
00:18:41: also das muss ja alles erst mal recherchiert und geklärt werden und manchmal einig man sich quasi auch der Beschwerde für eine Bürger oder das Medium und alles löst sich in Wohlgefallen auf, wenn es das aber nicht tut.
00:18:52: Dann muss irgendwann eine Entscheidung getroffen werden vom Beschwerderausschuss und dann sagen die ja dass hat jetzt verstoßen gegen zum Beispiel den Opferschutz wie wir ihn haben wollen laut Pressekodex?
00:19:03: Und dann kann es im schlimmsten Fall eine sogenannte Rüge geben.
00:19:07: Die wird dann auch veröffentlicht und da gibt es eine Pressemitteilung, andere Medien können das aufgreifen gerade medienkritische Organe wie über Medien und so etwas.
00:19:15: wir haben über Medinkritik ja auch hier schon mal gesprochen.
00:19:18: die können das dann aufgrepen in ihrer Berichterstattung Und eigentlich soll dann auch das Medium dass da gerügt worden ist diese rüge abdrucken was leider nicht immer passiert.
00:19:27: aber das ist die Idee.
00:19:28: und unterhalb der rügel gibt es noch die sogenannte Missbilligung und den Hinweis, wenn der Fall also etwas minder schwer ist.
00:19:35: Und es einfach nicht so schlimm war, dass man meint eine Rüge geben zu müssen.
00:19:39: Hast du Zahlen per Rat?
00:19:40: Wie viele Beschwerden gehen pro Jahr ein?
00:19:44: Nee das schwankt natürlich auch von Jahr zu Jahr.
00:19:45: Es sind mal tausend, zwei Tausend in diesem Dreh also vierstellig.
00:19:50: Es werden tendenziell immer mehr Und es hängt auch von Konjunkturen sehr stark ab, weil es manchmal so richtige Massenbeschwerden gibt.
00:19:57: zu bestimmten Themenbereichen.
00:19:58: Also jetzt zum Beispiel Jahr zwanzig war wohl sehr stark das Thema einer Ostkonflikt Gaza Israel ein Thema dass sehr viele mobilisiert hat Beschwerden einzureichen gegen bestimmte Berichterstattung.
00:20:12: in den Corona-Pandemie Jahren kann man sich vorstellen gab es sehr viele Beschwerde zu diesem Themenbereich, zumal die Berichterstattung war ja nur fast voll einseitig mit Corona.
00:20:22: Das heißt da gibt es dann manchmal so richtige geballte Ladungen und die Zahl der Rügen wiederum, die schwankt auch von Jahr zu Jahr werden auch das interessanterweise mehr.
00:20:34: also auch jetzt wo wir so ein neues Hoch geben der Rügen und das waren dann mal so siebzig-achtzig man kann dann irgendwie auch dreistellig.
00:20:45: In der Tendenz geht das hoch.
00:20:47: Ich würde sagen, dass spiegelt ja auch die Zeit wieder.
00:20:50: oder würdest du auch sagen?
00:20:51: Das ist eine Gesamtgereiztheit, dass Leute dann so sagen jetzt beschwer ich mich auch.
00:20:55: Den zeige ich es jetzt also kann ja gut begründet sein.
00:20:58: aber diese Haltung, dass man sich vielleicht auch intensiver mit Medien beschäftigt und den Verfehlungen ist zu begrüßen.
00:21:05: Im Grunde ist das erstmal wirklich zu begründen.
00:21:07: Ich glaube, es hängt natürlich schon damit zusammen, dass wirklich viel mehr über Medien auch kritisch debattiert wird.
00:21:14: Manchmal ist das sehr sinnvoll und wichtig.
00:21:17: Manchmal schlägt das vielleicht in eine seltsame Richtung um Und der Presserad bekommt es auch zu spüren.
00:21:22: Auch durch solche Masken beschwerden manchmal.
00:21:26: Könnte ihn dann auch irgendwann mal vielleicht überfordern?
00:21:28: Das ist jetzt einfach so ein Verein mit einer kleinen Geschäftsstelle und diesen ehrenamtlich arbeitenden Journalisten und Verlachs-Repräsentanten.
00:21:37: Der Punkt dabei ist, man braucht auf jeden Fall mal irgendeine Beschwerde eines Bürgers.
00:21:42: Das kann jeder sein, das kann aber natürlich auch orchestriert und es braucht werden unter Umständen.
00:21:47: Aber was der Presserat bisher nicht macht, ist eigenständig Eigeninitiativ zu ermitteln wenn man das mal so ausdrücken möchte und selber zu sagen ah der Fall ist interessant da werden wir jetzt von uns aus rügen.
00:21:59: Die brauchen schon immer erst mal jemanden, der sich beschwert.
00:22:01: Ja die haben im Zweifel auch gar nicht die Kapazitäten breitflächig die gesamte Berichterstattung zu verfolgen.
00:22:07: das ist auch nachvollziehbar.
00:22:08: Tanja weißt du welche Ziffern besonders häufig
00:22:11: für
00:22:11: Streitsaugen?
00:22:12: Ja also es sind auch die Zifferne die dann wirklich überdurchschnittlich oft zurückführen.
00:22:18: Das ist so etwas wie ziffer zwei Sorgfalt Also verstöße gegen Sorgfaltspflicht.
00:22:22: da geht es dann Zum Beispiel auch darum, dass etwas als Tatsache dargestellt wird.
00:22:26: Was man lieber erstmal in einer Verdachtsberichterstattung im Konjunktiv ausdrucken müsste und mit mutmaßlich könnte usw.
00:22:33: Das war jetzt auch übrigens bei der Nahost-Brichter-Stattung.
00:22:36: Gab es solche Rügen?
00:22:38: Ich kann auch gleich ein-, zweimal Beispiele nennen aber ich sagte erst mal weitere Dinge die ganz häufig auftauchen ist zu Verachtsschutz der Persönlichkeit.
00:22:50: Da runter fällt dann auch als spezielle Richtlinie, acht Punkt zwei der Opferschutz und da geht es ganz oft um Schutz der Persönlichkeit wie gerade von uns schon angedeutet.
00:22:59: Etwa Unfallopfer Flugzeugabsturz aber auch kriminalitäts betroffene Angehörige
00:23:08: gehörige
00:23:09: auch die dann an die Öffentlichkeit gezerrt werden die auch gar nicht vorher prominent waren, die dann einfach was ich Social Media Kanal wird ausgeschlachtet.
00:23:17: Die werden dann identifizierend gezeigt mit Bildnahmen und so weiter.
00:23:20: das passiert eigentlich permanent gerade von den Boulevard Medien wie der Bildzeitung.
00:23:25: Die Bildzeitungen also mal vor ein paar Jahren war so die Statistik dass sie so für fast ein Drittel aller Rügen was aber andererseits auch zeigt.
00:23:35: Es verteilt sich trotzdem, das ist schon ein Großteil, aber es verteilt dann trotzdem noch mal auf sehr viele andere Medien die auch nochmal eine Rüge kassieren.
00:23:43: Ein weiterer Punkt der häufiger gerügt wird ist Schleichwerbung.
00:23:47: Das betrifft also dieses Trennen von Werbung und Redaktion.
00:23:50: Das sind die Ziffer sieben soll ich noch einschieben.
00:23:53: Und dann gibt es noch die Ziffer elf glaube ich ist es ja genau elf Sensationsberichterstattung und Jugendschutz und das geht oft einher mit dieser Thematik, Opferschutz und Persönlichkeitsrechte.
00:24:05: Also da hat man es dann mit so übermäßig voyeuristischer Sensations aufgeladener Berichterstattung zu tun gerade auch wieder bei unglückend Katastrophenkriminalität.
00:24:16: das sind so die üblichen Dinge.
00:24:18: Und dann gibt es gibt es Richtlinien und Ziffern.
00:24:21: Die sind vermutlich könnte man viel öfter rügen aber kriegt es halt nicht mit, zum Beispiel so dass bei der Finanzberichterstattung.
00:24:31: Der Pressekodex-Presserat eigentlich verlangt also diese ganzen Finanzberichts-Erstatter-Journalisten die dürfen nur dann und dann überhaupt Aktien von den Unternehmen halten über die sie berichten.
00:24:44: In manchen Redaktionen wird das dann auch noch mal mit ein paar Arbeitsverträge, glaube ich, in eine Regelung versehen.
00:24:50: Aber wer will das jetzt genau überprüfen?
00:24:52: Und welcher Leser kriegt das mit?
00:24:54: Da schreibt jetzt jemand über irgendwelche Aktiengeschichten... Hat
00:24:57: vielleicht Insider bisschen so einen...
00:24:59: Das heißt, das kriegt man um sich zu beschweren, woher soll das dann jemand genau rauslesen.
00:25:04: Das heißt es gibt Paaregelungen die sind viel schwieriger zu kontrollieren als andere, wo man das dann in der Berichterstattung richtig sehen kann
00:25:13: Gibt es prominente Fälle, prominente Beschwerden?
00:25:15: Tanjev, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind.
00:25:18: Vielleicht auch aus deiner Zeit bei der SZ.
00:25:21: Wurdet ihr mal beruhigt als du dort fast ...
00:25:23: Ja, ich weiß gar nicht, ob in meiner Zeit bestimmt gab's Sachen.
00:25:27: Ich glaub, da gab's Beschwerde, weil in Interviews die Zitate nicht ganz exakt waren.
00:25:34: in der Überschrift von dem Wortlaut, das meine ich mich mehr.
00:25:38: Das betraf nicht Artikel, die ich verantwortet hab bisschen Pingeligkeiten, die aber vielleicht trotzdem gut waren dass das mal jemand macht um das mal zu klären.
00:25:48: Das habe ich so los in Erinnerung.
00:25:50: Die SZ ist auch schon einmal in der Vergangenheit gerügt worden.
00:25:52: Ich erinnere mich auch an einen Fall da war ja nicht mehr bei der SZ Da hatte ich mich aber auch in Medien selber geäußert.
00:26:01: Da wurde die Bildzeit gerübt.
00:26:03: Aber auch da ging es um ein Mordfall.
00:26:08: eine Mutter hat die mehrere Kinder glaube ich vier oder fünf ihrer Kinder umgebracht, wie auch ein Gericht später feststellte.
00:26:18: Und das wurde dann zum großen Thema gemacht und das Schlimme daran war nicht nur der Fall selbst sondern auch dass die Medien vor allen Dingen auch die Bildzeitung und zeitweise sie haben es dann sehr schnell wieder runtergenommen hat ihnen aber die Rüge nicht erspart.
00:26:29: Auch die SZ berichtet hat über so einen Chatverlauf von einem der überlebenden Kinder, der glaube ich elf oder zwölf Jahre alt war zu einem Freund, der auch in diesem Alter war also noch wirklich Kinder Und der dann quasi im Chatverlauf diese Situation des Tages, an dem die ganzen Morde passiert waren und seinen Schock also sich da irgendwie geäußert hat mit seinem Freund.
00:26:49: Alles Kinder!
00:26:50: Das wurde dann so großartig publik gemacht von diesen Medien und das war einfach gegen den Schutz von Kindern, Jugendschutz, voyeuristisch Sanitationsberichterstattung alles mögliche.
00:27:05: Und das wurde gerügt... Und das hat mich damals auch, das war sein Fall in Soling.
00:27:10: Hat mich auch damals beschäftigt.
00:27:11: Ich habe dann auch irgendwo einen Kommentar auf der Online geschrieben, dass das wirklich ein ganz schlimmes mediales Verhalten war und so etwas sehen wir leider immer wieder, dass gerade Bulevami den dann auch sowas ausschlachten wie der Aussagen und ganz viele Rügen gehen in diese Richtung.
00:27:32: Ich kann jetzt mal aus jüngerer Zeit beispielsweise hier Vortragen, die Bild hielt wieder eine Rüge wegen Verstoßes gegen den Opferschutz veröffentlichte also ein Beitrag mit der Überschrift Feuerwehrmann stirbt nach Einsatz und dann haben sie dann Foto dazu gestellt.
00:27:49: Und die Identität hätte besonders geschützt werden müssen laut Presse Codex und das ist hier aber nicht erfolgt.
00:27:57: Dann wurde die Berliner Zeitung gerügt wegen Verletzung des Persönlichkeitsschutzes, weil die Redaktion unter der Überschrift erst krank dann obdachlos etwas veröffentlicht hat über eine Mitarbeiterin des Sozialamts in Berlin oder eines Bezugssozialamts und dort so in einem Streitfall identifizierend hervorgeholt wurde.
00:28:21: In die Öffentlichkeit man als Presserat zum Ergebnis kam naja also Diese Frau, die war jetzt nicht in der hausgeobenen Stellung.
00:28:29: Die hätte man also anonymisieren müssen.
00:28:30: Da hätte man jetzt nichts an den totalen Pranger stellen dürfen.
00:28:35: Solche Fälle gibt es immer wieder gerade natürlich auch bei Kriminalität ganz viele Dinge.
00:28:40: aber auch zu einer Ostberichterstattung wurde etwa die Bildzeitungen gerügt wegen Sorgfaltsverstößen.
00:28:48: das gibt es am laufenden Band und der Umgang damit ist dann von Medium zu Medium unterschiedlich.
00:28:54: die Medien selten eine Rüge kassieren.
00:28:58: Da ist dann richtig auch mit unter was los, soweit ich weiß und das wird dann sehr ernst genommen Und da muss man diese rüger abdrücken bei der bildzeitung sammelt man ja permanent diese fast schon vitrophäen Kann trotzdem sein dass das manche dann ärgert nervt bewegt und es doch einen effekt hat.
00:29:13: aber die vielzahl der dann wieder neun rügen die kommen lässt natürlich den Verdacht aufkommen Das juckt ihr eigentlich nicht.
00:29:21: also es muss nicht zwingend eine strafrechtliche oder zivilrechtliche relevanz haben.
00:29:24: aber Die Symbolik einer Rüge macht natürlich auch etwas aus.
00:29:28: Und wer betroffen ist, wer den Artikel in Zweifel verfasst hat ... Das ist ja schon zumindest ein kleiner Magdel!
00:29:35: Auf jeden Fall.
00:29:37: und zugleich ist es
00:29:39: auch
00:29:40: der Fall dass man manchmal die eine oder andere Entscheidung vielleicht auch diskutieren kann.
00:29:44: also ich würde schon sagen das der Presserat mit seinen meisten Entscheidungen schon in der Tendenz auch dem entspricht, was sich jetzt aus medienethischem Diskussion heraus für plausibel nachvollziehbar halte.
00:29:56: Aber nicht jede Entscheidung ist vielleicht einfach so ganz eindeutig und das sind einfach auch Journalisten und Verlegervertreter die da sitzen und ihre eigenen Ideen haben und die ändern sich auch je nach Zusammensetzung.
00:30:09: Das ist auch nicht immer ganz konsistent.
00:30:10: du hast vorhin auch darauf hingewiesen dass kann sie ja im lauf der Jahre verändern.
00:30:15: unterschiedliche Haltung dazu.
00:30:17: Mir fällt auch auf, es ist nicht immer klar warum.
00:30:19: Wann ist das eine Rüge?
00:30:20: Wann eine Missbilligung?
00:30:22: Das
00:30:22: finde ich... Wahrscheinlich fließende Grenzen.
00:30:24: Ja
00:30:24: eben und das ist halt jetzt auch nicht so entsteingemeißelt.
00:30:28: Das soll den Diskurs über medietische Fragen anleiten aber es ersetzt natürlich nicht die pressrechtliche Auseinandersetzung wenn's hart auf hart kommt.
00:30:37: Aber gerade da wo sich auch vielleicht Opfer nicht kümmern können oder wollen Ist es gut, dass auch die Öffentlichkeit jederzeit selber sagen kann, nee das ist doch auf gut Deutsch gesagt eine Sauerei wie hier berichtet worden ist.
00:30:49: Jetzt muss man doch da sich beschweren können und dann passiert auch immerhin was, dass man sich damit
00:30:54: auseinandersetzt.".
00:30:54: Die
00:30:55: große Frage, Tanje fass du bereits eine Beschwerde eingereicht?
00:30:59: Und weißt Du wie's verlaufen
00:31:00: ist?
00:31:00: Das habe ich nicht um dich enttäuschen zu müssen denn... Ja, hab mich da bisher zurückhalten.
00:31:07: Das wäre ja vielleicht naheliegend das mal zu tun auch als Journalismusprofessor weil mir ja häufig Dinge begegnet die ich vielleicht für seltsam halte aber... Wie du
00:31:15: auch persönlich missbilligst?
00:31:17: Ja natürlich!
00:31:18: Aber ich habe das bisher dann immer so gehalten dass ich dachte naja wenn es mich aufregt dann könnte ich ja umhabe ich ja dann auch teilweise schon wie in dem genannten Fall mich auch anderweitig äußern gegenüber meinen Studierenden, vielleicht einen Artikel irgendwo schreiben und mich in anderer Weise in diesen Diskurs einschalten.
00:31:35: Und muss da jetzt nicht so eine Beschwerde starten?
00:31:38: Aber du hast das im Studium erlebt oder?
00:31:40: Ich habe es nicht persönlich erlebt aber ich meine mich zu erinnern dass dein Vorgänger Prof.
00:31:44: Dr.
00:31:44: Volker Wolf Eine Zeit lang ist sich wirklich zur Aufgabe gemacht hat, gemeinsam mit seinen Studenten Beschwerden einzureichen.
00:31:51: Und wenn man damals auf die Statistik geschaut hat gab es einen Peak und ich glaube Volker Wolf hat sich
00:31:56: für diesen Peak verantwortlich gezeigt.
00:31:58: Muss ich Ihnen noch mal dazu befragen?
00:32:00: Dann hätte er als Ökonom eine Empörungsekonomie um mal diesem Begriff zu bauen vorangetrieben vielleicht, wenn man's negativ fassen wollte im Sinne von so jetzt kommt er aus Mainz.
00:32:11: ordentliche Empörungen und der Presserat merkt das.
00:32:14: aber Was dahinter ja steht ist auch vielleicht wirklich ernsthaft zu sehen.
00:32:21: Ich hätte den Eindruck, wenn man mal gezielt gucken würde jeden Tag dann gäbe es so viele Gründe, warum man also nach dem Pressekodex gesehen sich aufregen müsste und eine Beschwerde starten könnte gerade auch wenn man diese ganzen vielen bunten Blätter die nämlich auch ... dem Presse-Codex unterliegen anschauen wird.
00:32:39: Also diese ganzen Dinge, die man im Bahnhofsbuchhandel immer noch findet und bei manchen Ärzten obwohl immer weniger wie ich feststelle... Die haben ja ist alles digital also die liegen da gar nicht mehr so rum.
00:32:49: Da steht ja so viel Zeug drin wo zum Beispiel auch die Grenzen zwischen Werbung und Redaktionellen nicht eingehalten sind.
00:32:56: Also jedenfalls wirkt es so auf Anhieb!
00:32:58: Und da könnte man glaube ich permanent Beschwerden machen.
00:33:01: Wir hatten schon die Wirkungsweise den Mechanismen des Presserats besprochen.
00:33:07: Es gibt auch Kritikpunkte am Presserat und ein ganz großer Kritikpunkt, er sei ein zahnloser Tiger oder ein berühmtes Bild.
00:33:16: Wie begründet sich diese Metapher?
00:33:19: Ja die Folgen eines Urteils des Presserats sind ja ganz einfach!
00:33:24: die sind im grunden mit dem wort rügel schon ausgedrückt.
00:33:27: mehr passiert nicht.
00:33:28: das ist so.
00:33:29: du bist jetzt gerügt ja und dann sagt der gerückte schön
00:33:32: schande über.
00:33:33: mein hat
00:33:33: genau im zahlsfall veröffentlicht der Gerüchte noch nicht mal diese ruhige im eigenen medium.
00:33:39: Obwohl er das sollte laut presse codex und dann war es das, Ja, das heißt es gibt keine Strafgelder.
00:33:47: Es gibt keinen Entzug von irgendwelchen Lizenzen oder irgendwelche Publikationsverbote oder was sich da vielleicht irgendwelcher Leute noch ausdenken würde zu sagen Das ist dann zahnlos und ein sehr schwaches Schwert Oder stumpfes Schwert?
00:34:04: Es ist ein stumpfest Schwert aber wahrscheinlich das Beste dass der Presserat noch zur Verfügung hat.
00:34:09: Na ja, man könnte so sagen.
00:34:11: Was erwartet ihr denn?
00:34:12: Wollt ihr jetzt das der Presserat sich auch schwirnt zu einer Parallel-Sitz die dann wirkliche Urteile fällt und dann die Pressfreiheit auf vielleicht fragwürdige Weise einschränken nur weil da ein paar Vertreter mal vielleicht auch falsch... Da müsste man eine Revisionsinstanz oder eine Buchungsinstanz haben und all diese Geschichten wenn man es rechtsstaatlich genau fassen würde.
00:34:32: Und es soll ja gerade kein rechtliches Instrument sondern ein ethisches und da muss man natürlich diskutieren können dass ein Urteil fällt und das auch in Ordnung so, aber jetzt so mit richtigen Strafen.
00:34:43: Ich hätte da auch Schwierigkeiten.
00:34:46: Man könnte sich natürlich trotzdem überlegen ob es nicht zumindest durchsetzbar sein muss, dass diese Rügen wie ist ja auch der Pressequot jetzt verlangt abgedruckt werden müssen?
00:34:53: Dass das nicht passiert und dass man das einfach so laufen lässt, dass man da nicht zumindest Strafzahlungen verhängen kann oder so... Das finde ich schon.
00:35:02: Das finde ich schon überlegenswert, dass man das ändert und man kann sich auch über andere Reformen natürlich unterhalten.
00:35:07: Zum Beispiel, dass manchmal doch öffentlich verhandelt wird vielleicht ist aber schlecht weil es dann so komisch politisiert wird oder zum Tribunal wird.
00:35:15: Man könnte sich überlegen, siehe mein Thema vorhin in anderen Ländern, dass anders organisiert wird?
00:35:20: Dass man auch andere Gruppen damit beteiligt, dass vielleicht Bürger da reinlost was weiß ich.
00:35:24: also man kann den Prozess sicherlich auch noch mal intelligenter organisieren.
00:35:29: Als möglicher Betroffener würde ich mir aber auch wünschen, zu Wort zu kommen.
00:35:38: Tannis Mann hört immer wieder den Begriff der Gegendarstellung.
00:35:42: Der hat aber tatsächlich – auch wenn man es vermuten könnte mit dem Presserat – wenig zu tun?
00:35:47: Richtig!
00:35:47: Das wird als Laie sicherlich so in einem Atemzug gesehen oder genannt.
00:35:53: Aber die Gegendarstellung ist ein Instrument des Presse-Rechts und das ist etwas sehr formal... formal juristisches, wo man dann als Betroffener einer Berichterstattung sagt hat das stimmt so nicht.
00:36:04: Das geht auch nur bei Tatsachenbehauptungen also nicht wenn da irgendwie jemand eine Meinung äußert und einen vielleicht als schlechten Politiker abqualifiziert.
00:36:11: das würde nicht gehen da eine Gegendarstellung zu erwirken sondern das geht nur wenn ein eine tatsachen behauptung drin ist nach dem motto politiker x y hat das und dass getan und das stimmt aus sich des politikers nicht.
00:36:24: dann kann der versuchen eine gegendarstellung Zu verlangen Und die hat bestimmte Kriterien zu erfüllen und dann muss das Medium das abdrucken.
00:36:32: Das hat mit dem Presserat erst mal gar nichts zu tun, sondern es ist etwas sehr sinnvolles wie ich finde was auch möglich ist zu erwirken.
00:36:38: wenn man sich wehren will gegen Berichterstattung.
00:36:42: beim Presserad spielt das keine Rolle.
00:36:45: da gibt es diesen Mechanismus so gar nicht und da geht es ja auch wie genannt darum dass alle Bürgerinnen und Bürger sich aufregen dürfen über irgendeine Berichtestattungen die sie gar nicht unmittelbar selbst vielleicht betrifft.
00:36:55: Der Presserat kommt unweigerlich aus der Analogenzeit.
00:36:58: Tanje, wie sehr ist er geeignet mit seinen Mechanismen auf die digitale Welt zu reagieren?
00:37:04: Ja vieles geht schon denke ich und lässt sich übertragen auch auf die heutigen digitalen Zeiten.
00:37:10: aber der Pressekodex wurde immer mal wieder ergänzt und auch erneuert und das könnte schon bald mal wieder fällig sein mit Blick auf manche KI Besonderheiten, die glaube genauer gefasst werden müssten.
00:37:26: Also vieles kann man jetzt unter Sorgfaltspflicht und anderen Sachen schon auch verbuchen, aber das reicht vielleicht nicht wirklich.
00:37:32: da könnte man sich schon eigene nochmal spezielle Regelungen vorstellen die da reingehören.
00:37:37: und ich könnte mir auch vorstellen dass man mal die Dinge zusammen denkt auch mit den Kodizes, die es jetzt gibt für andere Kommunikationsbereiche wie PR, wie Content Creator und so.
00:37:48: Ob's nicht auch sinnvoll ist zumindest mal ein gemeinsames Minimalgrundwerk noch zusätzlich zum Pressekodex zu schaffen wo diese verschiedenen Kommunikation Akteure sich auf ein paar Grundsätze auch einigen und das versuchen auf eine einheitliche Minimalbasis zu stellen.
00:38:03: also ich denke gerade mit Blick auf die Digitalisierung wie du sagst wird es früher oder später schon nochmal Veränderungen geben müssen.
00:38:12: Entscheidend wie so häufig die Haltung, dass der Journalist professionell agiert.
00:38:16: Dass er die Folgen seiner Berichterschattung auch im Auge behält soziale Kompetenz ganz wichtiger Faktor ist das Wie so häufig entscheidend da professionell zu sein?
00:38:25: Ja es schadet natürlich nichts denen zu verinnerlichen dem Pressekodex und sich an den zu halten aber in sehr vielen Fällen wird das nicht genügend sondern man muss dann wirklich Urteilskraft selber Beweisen und dann Entscheidungen fällen und dann in den jeweiligen Situationen das richtig tun.
00:38:40: Aber wenn man sich damit beschäftigt hat und deswegen benutze ich auch den Pressekodex immer wieder in der Lehre, um darauf aufmerksam zu machen was da so die Erwartungen sind.
00:38:48: Dann ist die Wahrscheinlichkeit zumindest da dass man wirklich eine Reflektion macht und nicht einfach leichtfertig aus irgendwelchen Motiven die zweifelhaft sind heraus seine Berichterstattung anlegt.
00:39:00: Wir sind gespannt wie sich der Presserat verändert.
00:39:03: vielleicht auch der Pressekodex?
00:39:05: Wie er sich wandelt anpasst an die neue Zeit.
00:39:08: Wichtig, dass wir darüber gesprochen haben.
00:39:10: Tanja vielen Dank!
00:39:10: Danke
00:39:11: Markus!
00:39:11: Danke an Mara Maria Müller.
00:39:13: wie immer bei uns in der Technik und bis zum nächsten Mal bei den Medien verstehen.
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